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Bordfahrräder Drucken E-Mail
Geschrieben von Ingrid & Dieter Lüker   
01.11.2006
 

Bericht von der Sommerreise

der S.Y."SAN-SÜN" 2003


von Dieter Lüker

Bordfahrräder...

lker

Und was man damit erleben kann ! -

 
 






Habt ihr auch ein Bordfahrrad ? - So ein zusammenklappbares oder zerlegbares ? -

So eines aus Alu oder Stahl ? - In der Backskiste oder in der Koje ? -



Wir haben an Bord derer zwei, schon etwas älter. In der Mitte zerlegbar, jedes in zwei Stoffsäcke verpackt hinter den Rücklehnen der Salonkojen. Und wir benutzen sie auch ! - Zwar nicht immer, aber immer öfter. So auch in diesem Sommer in Byxelkrog auf der Insel Öland vor der schwedischen Ostküste. Wir waren auf Langfahrt, auf dem großen Sprung nach Gotland, um von dort aus nach Lettland überzusetzen. Große Pläne - aber der Zeitplan war schon verrutscht. Zu spät abgefahren, schlechtes Wetter, zu lange bis hierher benötigt, aber wir haben ja Zeit. Wir sind ja „Zeitmillionäre", kein Geld, aber Zeit haben wir. --- Der Hafen ist gerammelt voll, wie immer. Morgen machen wir Hafentag. Also die Räder klar machen, die Säcke über das Nachbarschiff wuchten, auf der Kaimauer die Räder montieren, und in fünfzehn Minuten sind sie fahrbereit. Kurz vor Ladenschluss um acht noch schnell zum Supermarkt, nach dem Abendbrot noch ein wenig die Küste entlanggeradelt, wir sind ja mobil, meine liebe Bordfrau und ich! -

Am Morgen, gut gefrühstückt, Rucksack gepackt, Straßenplan von der Touristinfo nicht vergessen, Proviant und  Getränkeflaschen dabei! - Alles klar, die Sonne scheint - es ist Hochsommer. Wir haben ein Ziel, den kleinen Hafen Grankullaviken an der äußersten Nordspitze von Öland an einer tiefeinschneidenden Bucht wollen wir besuchen. Das sind etwa zehn Kilometer die Küstenstraße entlang nach Norden und dann etwa zwanzig Kilometer im weiten Bogen über die Landstraße zurück zum Hafen.

Wir radeln beide munter von dannen. Meine treue Bordfrau immer voran, sie ist ja „raderprobt". Ich bin nicht so gut im Training, ich fahre lieber mit dem Auto, das ist doch bequemer. Erst an der Küste entlang mit Blick auf den Kalmarsund, dann durch dichte Kiefernwälder führt die Chaussee dem kleinen Ort entgegen. Nach einer guten Stunde öffnet sich vor uns der Blick auf eine große Bucht. Ein Bootssteg mit Yachten lädt uns zur Besichtigung ein. Ein kleines Hafenbecken in der Ferne mit einigen Booten schien uns nicht besuchenswert. Lieber machten wir Rast. Im Schatten eines großen Baumes an den Tischen eines Kiosks gibt es Kaffee und Kuchen. Mutig und frisch gestärkt steigen wir wieder auf unsere Räder, und weiter geht es auf der Landstraße. Links und rechts der Straße stehen hübsche Holzhäuser auf gepflegten Grundstücken. Wir kommen zügig voran. Meine Weggefährtin radelt gerade einmal hinter mir, da gibt es plötzliche einen scharfen Knall!!! -  Erschrocken springe  ich vom Rad -was istr passiert?! - Meine Ingrid hält ihr Fahrrad in der Hand und blickt traurig auf den Reifen ihres Hinterrades. Der Mantel hat einen etwa zehn Zentimeter langen Riss am seitlichen Wulst, der Reifen hat Plattfuß. Der zerfetzte Schlauch darunter lugt aus dem Loch hervor, das ist nicht mehr reparabel. Das bedeute, zu Fuß das Fahrrad schieben. Wo sind wir ? - Die Karte zeigt uns, voraus sind es noch ca. fünfzehn Kilometer auf der Landstraße. Aber durch dichtes Wald- und Moorgebiet führt ein Wanderweg, der den weiten Bogen der Landstraße wie eine Sehne durchschneidet. Das ist eine Abkürzung. Nun erinnert sich meine Ingrid an ihre Kinderzeit. Aus der Not heraus hatten sie häufig zu zweit mit einem Fahrrad größere Strecken zurückgelegt. Also probieren wir es ebenfalls. Der Erste startet mit dem Gepäck auf dem fahrbereiten Fahrrad, die andere geht zu Fuß und führt das defekte Rad am Lenker, eine schweißtreibende Prozedur. Der Erste radelt nun etwa einen Kilometer voraus und pausiert im Schatten eines Baumes, bis die andere das Fahrrad schiebend eintrifft. Nun wir gewechselt, guterholt schiebt nun der vorherige Radler das Rad, während die andere wieder die Strecke vorausradelt und dann pausiert. Das spart Kraft und Zeit .-

Bald biegen wir von der Landstraße seitwärts ab und folgen einer Traktorenspur durch den dichten Wald. Der Wanderweg ist durch Marken an den Bäumen gekennzeichnet. Ich sitze gerade auf dem Fahrrad und folge aufmerksam der Treckerspur. Als mein geschätzter Kilometer erreicht scheint, da gibt es keine Wegmarkierungen mehr - ich habe mich verfranzt. Also wieder zurück, irgendwo muss die Abbiegung das Wanderweges sein. Da steht  Ingrid mit dem defekten Rad an der gesuchten Abzweigung, sie hat wohl geahnt, dass ich  den falschen Weg gewählt habe.-

So schlagen wir uns auf diese Weise durch das Dickicht, kommt man doch mit dem Rad auch nicht sehr viel schneller voran, als zu Fuß. Der Schweiß läuft in Strömen, aber der Fußgänger schiebt tapfer mit scharfem Schritt. Nach einigen Stunden erreichen wir den Außenbereich des kleinen Ortes. Es ist gar nicht so leicht, den richtigen Weg zum Hafen zu finden. Den letzten Abschnitt legt meine Bordfrau mit dem Rad zurück, will sie doch ein lukullisches Abendmahl vorbereiten. Erschöpft und verschwitzt erreiche ich wenig später ebenfalls den Hafen. Nach einem erfrischenden Duschbad geniessen wir das Abendessen im Cockpit . Kühles Bier und kleine „Verdauerleins" sorgen für Erholung. Unsere Gräten merken wir aber deutlich als Folge der ungewohnten Anstrengungen, wir sind ja nicht mehr die Jüngsten. Ja, so kann es gehen, auch Bordfahrräder können versagen, denn es ist ja alles nur Technik ! --       

bordrad
Letzte Aktualisierung ( 09.05.2012 )
 
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