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Es lockt das Polarlicht / Teil 1 & 2 Drucken E-Mail
Geschrieben von Hermann Reinsch   
01.08.2007
Teil 1

In diesem Jahr wollte ich mal vom Norden Dänemarks etwas über Skagen hinaus. OSLO. Oder BERGEN vielleicht. Vor der Nordsee habe ich immer noch mächtigen Respekt. Die Wetterberichte in den Jahren voraus von Skagerak und Utsira waren immer heftiger Tobak, kaum, dass es mal friedlich zuging.
 
Wie ich am 31. Mai in Kiel am frühen Nachmittag aus der Schleuse komme, muß ich erst einmal meinen Dieseltank wieder auffüllen. Der Wind passt für Marstal. Das war schon mal eine Vorentscheidung für NORGE. Die Windvorhersagen kündigten auch für die nächsten Tage moderaten NO an. Also los. Auf der HANSEBOOT hatte ich mir einen Kartenplotter geschenkt mit Karten von UTKLIPAN bis EGESAND. Passt. Es lief gut. Um 21:30 h bin in im Hafen fest. Am nächsten Tag in SAMSÖ.

In Grenaa gab es ein erstes technisches Problem, das sich aber durch die rasche Hilfe des Hafenmeisters auf 3 Tage verkürzte. Ein NO 2-3 bringt mich schnell bis ASÖ und am 8. Mai bis Skagen. Ein ständiger Strom um 1 kn läuft ständig mit. Es ist Wochenende, der Stadthafen ist voll, es ist warm und auf allen Schiffen Party. Jeder hat seine Lieblingsmusik an auf voller Lautstärke. Die Lokale sind voll und das Bier fließt in Strömen. Ich gehe in den sehr ruhigen Yachthafen, weil ich nur eine kurze Nacht haben werde, da ich mein nächstes Ziel im Hellen erreichen will und deshalb etwas Schlaf brauche, bevor ich früh starte.

Ca. um 2 Uhr wache ich auf und los geht’s. Es ist sehr dunkel. An diesem Morgen gibt es einen Sonnenaufgang wie ich ihn nicht in der Karibic erlebt habe. Immer NO. Um die Mittagszeit entscheide ich mich für den Hafen LILLESAND. Warum ? Weil in KRISTIANSAND viel Zoll sein soll und ich hätte viel zu verzollen. Lillesand hat einen schönen Hafen. Eine schweizer Flagge weht am Heck einer COMFORTINA 42. Sie wollen zu den LOFOTEN und dort überwintern. Mein Gott - so weit! Das Ehepaar ist älter als ich aber sie beherrschen ihr Boot. Am nächsten Tag geht die Fahrt nach Mandal. Es ist eine kleine schöne Stadt, hat aber einen unruhigen Hafen. Von hier aus geht es Richtung West.

Vorbei am LF UDVARE und dem westlichsten Ort Norwegens Cap LINDENESS mit einem der ältesten LF Norwegens. Das recht seltsam aussieht. Ein moderneres hat aber schon lange den Betrieb übernommen. Heute läuft mir ein Strom von 0,5 – 1,0 kn entgegen. Um 14 Uhr habe ich an StB Seite LISTEN, zu früh um in einen Hafen zu gehen. Ich entscheide, heute weiter zu fahren, da der Wind an den nächsten Tagen stark aus NW wehen soll. Das Barometer fällt seit Tagen. Bis EGERSUND sind es noch 23 nm. Vorbei an hohen nacktem Felsenmassiv muss ich jetzt gegen einen hohen Seegang, dafür läuft ein Strom mit. Um 19.30 h bin ich in EGERSUND am Steg fest.

2 Tage Starkwind aus NW. Hier in dieser kleinen Stadt bekommt man alles was die Technik so an Neuigkeiten hergibt Am 2ten Tag macht eine große Comfortina neben mir fest. Ein junger Mann sagt spricht mich an. Es ist Jan Koppelmann, er hatte an der EDINBURG-REGATTA erfolgreich teilgenommen und kam an dem Tag von TANNAGER. Er sagte mir, dass es eine schnelle Fahrt war, für den Spi allerdings zuviel Wind.

AM 14. 7. gehe ich auf Anker, um am nächsten Tag früh auf der Nordsee zu sein, denn bis TANAGER gibt es keinen wirklichen Schutzhafen. FERSTEIN LF um 12.30 h an StB Seite. TANAGER und STAVANGER lasse ich heute aus. Als kleinen Vorgeschmack für das was mich erwartet, fahre ich hier durch die Inselwelt, ohne Plotter unmöglich! Jetzt im Schutz der Inseln beruhigt sich die See und es wird noch ein wunderschöner Segelnachmittag. An StB weit voraus sehe ich zwischen den hohen Bergen etwas glitzern. Das war der SUNNDAL BONDHUSGLETSCHER. Es läuft wirklich alles prima bis HAUGESUND. Mit geborgenen Segeln fahre ich in den langgestreckten Hafen auf der Suche nach einem Liegeplatz, denn es ist Weekend. Wie ich da so meine Kreise ziehe, verspüre ich ein starkes Schütteln und Rütteln des Bootes. Mir ist so, als würde der Mast runter kommen und das Boot in Teile zerbrechen. Eine Brise von vorn hilft Fahrt aufzunehmen, um irgendwo ran zukommen. Mein Gott schüttelt das Boot. Ein aufmerksamer holländischer Segler hat wohl meine Situation erkannt und gibt mir Zeichen, zu ihm zu kommen. Er fendert sein Boot gut ab und ich halte genau auf ihn zu.

Es ist um die 20 Uhr. Alles ist gut gegangen. Über Funk ruft er den SAR an. In der Annahme, dass ein Netz oder Tampen in der Schraube ist taucht einer vom Rettungskreuzer mit einem Messer bewaffnet. Kommt aber bald wieder hoch und verlangt nach einer Kamera. Nachdem er uns die Bilder gezeigt hatte, weiß ich auch warum: eine Propellerhälfte fehlt! Na Bravo!!!!                      


Teil 2

 Weit von der vertrauten Heimat und dann so etwas, nach dem eine Fachwerkstatt die Opferanode am Saildrive ausgetauscht hatte. Durch die starke Vibration hat das Motorenfundament auch Schaden genommen und es sickert Wasser ein. Viel Aufwand, vom Ärger und den Kosten ganz zu schweigen. Durch einen norwegischen Nachbarn gelingt es mir, mich schlau zu machen, so dass ich am nächsten Tag über die verschiedenen Möglichkeiten, an einen Propeller zu kommen, bescheid weiss. Die tolle Hilfsbereitschaft, die ich hier angetroffen habe, ist ganz besonders erwähnenswert.

Am 21. 6. ca. 16 Uhr geht’s bei Nieselregen weiter. Mitsommer. Ich habe einen neuen Propeller. Meine kleine Welt ist wieder in Ordnung. Haugesund werde ich nie vergessen. Um ca. 14:30 h fahre ich durch die SPYSSÖY-Brücke nach BERGEN. Bei gutem Wetter muss es hier schön sein und schon bald scheint die Sonne. Eine prima Ostbrise bringt mich gut voran durch eine traumhafte Inselwelt mit ihren hohen Bergen. Es wurde noch ein toller Segelnachmittag. Am Abend bin ich an einer kleinen Insel mit einer Bucht windgeschützt und nähere mich einem Anleger eines Fischers. Er stimmt für eine Nacht zu. Er erzählt mir, dass er einige Fischereischiffe auf dem Nordatlantik unterwegs hat, er selbst aber mit einem kleineren hier auf Fang gehe und im Winter sei Holiday. Ca. 10:00 h passiere ich die Brücke ( 60°25,3’ / 5°03,4’ ) von der Insel LITLA SOTRA nach Bergen. 11 Uhr Bergen an StB Seite.

Hier soll es am häufigsten regnen, also fahre ich doch erst einmal weiter. Von Bergen verläuft der HJELTE FJORD in NNW, ich bekam einen Anlieger bei glatter See und machte um die 5,5 kn, das macht Laune. Wie schon der vorige Tag. Heute war es wieder eine abwechslungsreiche Fahrt durch die Fjorde. Leider kommt dabei das Segeln, weshalb ich ja hier bin, zu kurz. Etwa 5 nm vor MÄLÖY fällt der Anker. Aus dem Luk sehe ich auf eine einige 100m hohe Felswand. Unterhalb der zu erkennenden Schneeflächen stürzt ein schmaler Wasserfall in die Tiefe.

Nach einer ruhigen Nacht um ca. 8 Uhr Anker auf. Bald bin ich am Nadelöhr zwischen STEINSUND und HARDBAKKE 61°05’/ 4°50’. Um die Mittagszeit an Bb-Seite die 480 m hohe Insel ALDAN 61°18’ / 4°47’. Am Abend in FOSNAVÄG bis ALESUND sind’s noch 12 sm, aber nicht mehr heute. Ein Segler aus Oslo liegt im Hafen. Er sagt mir, dass ein Sturmtief aufziehe und er die Reise nach Trondheim abgebrochen habe und nun auf der Rückreise sei.

Um 9 Uhr Aufbruch, es ist bedeckt. Ca. 10:30 h ALESUND an Stb-Seite. Für die Rückreise muss ich mir auch noch ein paar sehenswerte Städte vorbehalten. Am Nachmittag klart es auf und mit einem leichten Anliegerkurs mache ich gute Fahrt und ich kann mir in aller Ruhe einen guten Hafen für den Abend suchen. Bei LF FLATFLESA POS 62°50,3’ u 6°40,0’ geht es noch einmal zwischen die Felsen. Es herrscht ruhige See. Deshalb kann ich es auch bei dem Wind riskieren. Um 17 Uhr noch 10 nm bis BUD, ein sehr geschützter Naturhafen. Wie fast alle Häfen hier. Ein Norweger liegt im Hafen, der mir sagt, am nächsten Tag möchte er nach KRISTIANSUND segeln. Von BUD gibt es kein ruhiges Fahrwasser und wir müssen raus auf den Atlantik, wo dann auch noch viele kleine Inseln und Untiefen vorgelagert sind.

Ich habe nicht gut geschlafen. Um 7 Uhr Leinen los. Diesen Tag möchte ich so beschreiben, dass es ein hammerhartes Navigieren und Segeln war. Um ca. 15 Uhr in KRISTIANSUND. Ein BÄDSERVICE der gerade im Hafen ist, stellt fest, dass 1 Motorenlager gebrochen ist, das andere defekt. Er würde es bestellen - aber den Einbau könne er auf längere Zeit nicht übernehmen. Die Lieferung sollte 5 Tage dauern, eine Woche wurde daraus. In der Zeit habe ich einen Platz im Segelverein bekommen. Das Wetter war gut und eine Pause konnte ich eh gebrauchen. Die Zeit habe ich genutzt und Kristiansund gut kennengelernt .

Am Nachmittag des 6.7. war ich wieder fahrbereit. Jetzt wollte ich auch die LOFOTEN erreichen! Wegen der Dunkelheit muss ich mir hier nördlich des Polarkreises keine Sorgen machen. Es kommt noch ein richtiger Wind auf und ich mache gute Fahrt. Um 20:30 h, etwa 10 nm zu meinem ausgeguckten Ankerplatz muss ich noch das 2. Reff einlegen. Um 3 Uhr fällt der Anker auf Pos. 63°21,99’ N und 8°25,97’ E. Noch ein Gläschen Wein und dann ins Bett. Um 8 Uhr am nächsten Tag Anker auf. Die Sonne steht schon hoch am Himmel. Um die Mittagszeit wurde mir der Wind zu stark. An einem geschützten Platz 63°33,1’ N und 99°24,1’ E finde ich eine fast fertige Marina vor. Ich habe erst einmal abgewartet, bis um ca 4 Uhr der Sturm abflaut und ich kann meinen Segeltörn fortsetzen. Forts. folgt

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Letzte Aktualisierung ( 09.05.2012 )
 
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